Daumen

Häufige Fragen

Sie haben sich an einer benutzten Nadel oder einem anderen Gegenstand verletzt, der mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten kontaminiert war, oder Sie möchten sich über bestehende Risiken informieren?

Auf den folgenden Seiten beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen zu Nadelstichverletzungen in Kurzform.

Bei welchen Tätigkeiten besteht die Gefahr einer Nadelstichverletzung?

Nadelstichverletzungen können überall dort auftreten, wo scharfe oder spitze medizinische Instrumente (z. B. Kanülen, Lanzetten, Skalpelle, Pen-Nadeln) eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Blutentnahmen
  • Injektionen
  • das Legen von Venenverweilkathetern
  • Blutzuckermessungen & Insulingabe
  • chirurgische Eingriffe

Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr ist es strikt untersagt, gebrauchte Nadeln wieder in die Schutzkappe zurückzustecken (»recapping«). Zudem birgt die Entsorgung gebrauchter Instrumente ein Risiko. Über die Hälfte aller Nadelstichverletzungen ereignen sich bei der Entsorgung. Daher gilt besondere Vorsicht vor:

  • achtlos liegen gelassenen Instrumenten,
  • durch Patienten oder Pflegekunden z. B. auf Essenstabletts abgelegten Spritzen oder
  • überfüllten Entsorgungsbehältnissen, aus denen Nadeln herausragen.

Auch der Kontakt des infektiösen Blutes mit Auge, Haut sowie Nasen-, Mund- und anderen Schleimhäuten kann gefährlich sein. Hier empfiehlt sich das Tragen von Schutzbrillen.

Welche Personen sind dem Risiko einer Nadelstichverletzung ausgesetzt?

Im deutschen Gesundheitswesen arbeiten über 4 Millionen Menschen. Der größte Teil von ihnen ist aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit generell infektionsgefährdet. Hierzu zählen insbesondere folgende Berufsgruppen:

  • Ärztliches Personal
  • Pflegepersonal, auch ambulanter Dienste
  • Medizinische Fachangestellte
  • Beschäftigte im Rettungsdienst
  • Laborpersonal
  • Funktionspersonal wie z. B. MTA/BTA/PTA

Aber auch Reinigungspersonal und Helfer (z. B. Bundesfreiwilligendienstleistende, Hilfspersonal in der Pflege) sind beispielsweise durch falsch bzw. unsicher entsorgte Kanülen gefährdet.

Wie wahrscheinlich ist eine Infektion?

Das Risiko einer Infektion durch blutübertragbare Erreger für Beschäftigte im Gesundheitsdienst hängt von den folgenden Faktoren ab:

  • Anzahl der infektiösen Patienten, die in der entsprechenden Einrichtung behandelt werden
  • Art der Erreger, mit denen Patienten infiziert sind
  • Häufigkeit gefährlicher Blutkontakte während der Tätigkeit

Viele Untersuchungen zeigen, dass der Anteil Infizierter innerhalb von Krankenhäusern deutlich höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Selbst kleinste Verletzungen an spitzen oder scharfen medizinischen Instrumenten können zu einer Infektion bis hin zur Berufskrankheit führen.

Prinzipiell setzt sich das Risiko einer Infektion nach einer Nadelstichverletzung aus mehreren Faktoren zusammen:

1.) der Prävalenz blutübertragbarer Erreger in der behandelten Patientengruppe

2.) der Serokonversionsrate für den jeweiligen Erreger

3.) der Viruslast des Indexpatienten und

4.) der übertragenen Blutmenge

Das heißt, der Indexpatient muss zunächst infektiös sein. Je nach Erreger kommt es dann unterschiedlich oft zu Serokonversionen beim betroffenen Beschäftigten (Serokonversionsrate). Ganz wichtig sind hier die Viruslast des Indexpatienten sowie die Menge des übertragenen Blutes.

Der Anteil der infektiösen Personen (Prävalenz) in Deutschland liegt bei ca.:

  • 0,6 Prozent für den Erreger der Hepatitis B (480.000 Personen) [1]
  • 0,4 Prozent für den Erreger der Hepatitis C (320.000 Personen) [2]
  • 0,1 Prozent für das HIV, den AIDS-Erreger (78.000 Personen) [3]

Zu einer Übertragung (Serokonversion) nach einer Nadelstichverletzung kommt es:

  • bei HBV in 300 von 1000 Fällen,
  • bei HCV in 30 von 1000 Fällen,
  • bei HIV in 3 von 1000 Fällen. [4]

Damit beträgt das rechnerische Infektionsrisiko für die jeweiligen Erreger ca.:

  • 1 : 250 für Hepatitis B (ungeimpfter Empfänger),
  • 1 : 1000 für Hepatitis C und
  • 1 : 13.333 für HIV/AIDS. [5]

Was ist nach einer Nadelstichverletzung zu tun?

Waschen Sie die Wunde mit fließendem Wasser und Seife. Desinfizieren Sie die Wunde anschließend mit einem alkoholbasierten Desinfektionsmittel. Melden Sie jede Nadelstichverletzung umgehend der in Ihrer Einrichtung zuständigen Stelle. Dies kann der Betriebsarzt sein, aber auch eine Versorgung in der Ambulanz oder durch einen D-Arzt ist denkbar.

Auch die Entscheidung über eine postexpositionelle Prophylaxe sollte frühzeitig getroffen werden, da diese dann umso wirksamer ist. Bei Verdacht auf eine HIV-Infektion des Indexpatienten wird empfohlen, spätestens zwei Stunden nach der Nadelstichverletzung mit der Postexpositionsprophylaxe zu beginnen.

Auch versicherungsrechtlich ist die umgehende Meldung von größter Bedeutung. Nur wenn der Unfall sorgfältig dokumentiert ist, kann im Falle eines Berufskrankheitenverfahrens eine berufliche Ursache der Infektion oder Folgeerkrankung bewiesen werden.

Zudem tragen Sie mit Ihrer Meldung dazu bei, dass geeignete Präventionsmaßnahmen ergriffen werden können. Wenn exakte Informationen über den Unfallhergang und die Häufigkeit von Nadelstichverletzungen vorliegen, können Risiken verringert werden. So leisten Sie einen wichtigen Beitrag zu besseren und sichereren Arbeitsbedingungen und schützen dadurch auch Ihre Kollegen.

Wie können Sie sich vor einer Nadelstichverletzung schützen?

Mitarbeiter im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Schutzimpfungen sind derzeit nur gegen das Hepatitis-B-Virus möglich. Gegen HCV und HIV gibt es auf absehbare Zeit keine Impfmöglichkeit. Deshalb steht hier die Vermeidung von Nadelstichverletzungen im Vordergrund.

Um alle Beschäftigten im Gesundheitswesen bestmöglich zu schützen, sollten grundsätzlich Arbeitsmittel mit integrierten Sicherheitsvorrichtungen verwendet werden. Durch diese können Verletzungen bei fachgerechtem Umgang weitestgehend ausgeschlossen werden.

Bewährte Schutzmaßnahmen wie die Impfung gegen das Hepatitis-B-Virus und die Verwendung von Kanülenabwurfbehältern müssen ebenfalls beibehalten werden. Weiterhin müssen zur generellen Vermeidung von Kontakten mit Blut und Körperflüssigkeiten Handschuhe getragen werden, wenn mit einem derartigen Kontakt zu rechnen ist.

 

[1] Robert Koch-Institut, Berlin: RKI-Ratgeber für Ärzte – Hepatitis B, Epidemiologisches Bulletin, 01/2012, Download hier

[2] Robert Koch-Institut, Berlin: RKI-Ratgeber für Ärzte – Hepatitis C, Epidemiologisches Bulletin, 01/2012, Download hier

[3] Robert Koch-Institut, Berlin: HIV/AIDS in Deutschland – Eckdaten der Schätzung. Epidemiologische Kurzinformation des Robert Koch-Instituts, 2012, Download hier

[4] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zentralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

[5] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zentralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

nach oben