Daumen

Infektion

Durch Nadelstichverletzungen können mehr als 20 lebensbedrohliche Infektionen übertragen werden. Zwar bildet intakte Haut einen effektiven Schutz vor Krankheitserregern. Wird diese jedoch verletzt, genügen geringste Blutmengen, um sich zu infizieren. Bereits weniger als ein Mikroliter Blut kann genug Erreger enthalten, um eine Infektion auszulösen.

Verletzung an einem scharfen, medizinischen Instrument

In Europa stellen folgende Erreger das größte Risiko dar:

Entscheidend für eine mögliche Infektion sind folgende Faktoren:

  • die Wahrscheinlichkeit, sich an einem infektiösen Gegenstand zu verletzen.
  • die Häufigkeit des Auftretens der Erkrankung.
  • die Ansteckungsgefahr bzw. die Höhe der Serokonversionsrate.

Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus tritt bei jeder 250. Nadelstichverletzung auf – vorausgesetzt die Impfquote liegt bei 90 Prozent. [1] Mitarbeiter des Gesundheitswesens sollten grundsätzlich geimpft sein. Der Arbeitgeber hat die Impfkosten zu tragen. Bei Hepatitis C ist bei jeder 1000. Nadelstichverletzung mit einer Übertragung des Virus zu rechnen. [2] Eine wirkungsvolle Impfung gibt es hier bisher nicht. Experten gehen davon aus, dass bei infektiösen HBV-Patienten ein Übertragungsrisiko von bis zu 30 Prozent besteht. Beim Hepatitis-C-Virus liegt das Übertragungsrisiko zwischen weniger als einem und drei Prozent und beim HIV bei 0,3 Prozent. [3], [4]

Die Angst vor einer Infektion nach einer Nadelstichverletzung kann bei den Betroffenen psychologische und emotionale Auswirkungen haben: Verletzt sich ein Arzt bei der Behandlung eines HIV-Patienten, dauert es in Einzelfällen bis zu sechs Monaten, bis eine Infektion sicher ausgeschlossen werden kann. Eine Zeit, in der Betroffene und Angehörige in Ungewissheit verbringen.

Sie sollten jede Nadelstichverletzung umgehend dem Arbeitgeber melden! Postexpositionelle Maßnahmen können eine Infektionsübertragung verhindern. Darüber hinaus ist der Arbeitsunfall zu dokumentieren: Zum einen, um zu einem späteren Zeitpunkt Versicherungsansprüche geltend machen zu können und um eine etwaige Infektionsübertragung frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Zum anderen lassen sich so Fehlerquellen im System aufdecken und beseitigen.

[1] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zentralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

[2] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zentralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

[3] Wittmann, A.: Verletzungen an spitzen und/oder scharfen Gegenständen im Gesundheitsdienst – Ein Beitrag zur Abschätzung der Risiken. Wuppertal 2005: 19.

[4] Robert Koch-Institut, Berlin: RKI-Ratgeber für Ärzte – Hepatitis C, Epidemiologisches Bulletin, 01/2012, Download hier

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