Kosten von Stichverletzungen
Meist wird im Kontext mit Nadelstichverletzungen vollkommen übersehen, dass durch diese auch hohe Kosten entstehen. So ermittelte eine Arbeitsgruppe an der Bergischen Universität (Deutschland) Kosten von rund 487 € pro gemeldeter Nadelstichverletzung, wovon das Krankenhaus selbst 147 € zu tragen hatte.[1] Berücksichtigt man auch die Verwaltungskosten, die eine gemeldete NSV nach sich zieht, fallen die Kosten für das Krankenhaus noch wesentlich höher aus: Eine aktuelle deutsche Studie ermittelte für das Krankenhaus Kosten in Höhe von 1.601 € pro gemeldeter Stichverletzung, wovon nur 754 € von den Unfallversicherern erstattet wurden.[2]
Andere internationale Studien kamen zu vergleichbar hohen Kosten, so ermittelte eine Schweizer Autorin[3] Kosten von 356 € bis zu 3.465 € und eine amerikanische Forschergruppe[4] kam auf 630 € bis 785 € pro gemeldeter Nadelstichverletzung (alle Beträge wurden auf den zum jeweiligen Veröffentlichungstermin geltenden Eurokurs umgerechnet). Mit einem Rechenmodell der Universität Wuppertal und der Hochschule Niederrhein konnten im Jahr 2007 auch die voraussichtlichen Kosten von nicht gemeldeten Kanülenstichverletzungen bestimmt werden.
Die (volkswirtschaftlich relevanten) Kosten einer ungemeldeten NSV liegen undiskontiert bei 79 €, diskontiert auf 30 Jahre bei rund 52 €, die vor allem den hohen Behandlungskosten chronisch gewordener Erkrankungen zugeschrieben werden können[5].
[1] Wittmann A . Kosten von Nadelstichverletzungen und wirtschaftlicher Nutzen neuer Sicherheitsprodukte. Prakt. Arb. med. 2006;5: 40-41
[2] Wagner-Ferrer, D., Hartmann W.: Kastenanalyse einer Nadelstichverletzung, Anästh Intensivmed 2006;47:63-66
[3] Graf-Deuel E.: Auswertung der Stichverletzungen am KSSG Jahre 2000, 2001 und 2002, Personalärztlicher Dienst. St. Gallen 2002
[4] Jagger J., et al.: Direct Cost of Follow-up for Percutaneos amd Mucocutaneous Exposures to At-Risk Body Fluids: Data From Two Hospitals. Virginia 1998
[5] Wittmann A, Vrka Z, Neukirch B, Hofmann F. Gesamtwirtschaftliche Kosten durch Nadelstichverletzungen und möglicher Nutzen durch die Einführung Sicherer Instrumente (V 87), Beitrag auf der 47. Jahrestagung der DGAUM am 24.3.2007 in Mainz, zur Veröffentlichung angenommen

