Daumen

Nadelstichverletzungen

Zu Nadelstichverletzungen zählen alle Verletzungen der Haut durch scharfe oder spitze medizinische Instrumente (z. B. Kanülen, Lanzetten, Skalpelle, Pen-Nadeln), die durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten des Patienten oder Pflegekunden verunreinigt sein können. Dies gilt unabhängig davon, ob die Wunde des Verletzten geblutet hat oder nicht.

Statistik

Nadelstichverletzungen zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen von Mitarbeitern im Gesundheitswesen und der Pflege. Experten gehen davon aus, dass sich jeder Beschäftigte im Durchschnitt alle zwei Jahre sticht oder schneidet. [1]

Die Europäische Kommission spricht von jährlich mehr als einer Million Nadelstichverletzungen in der EU. [2] Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher. Denn Schätzungen von Experten zufolge werden etwa 50 bis 90 Prozent der Nadelstichverletzungen nicht gemeldet. [3], [4], [5], [6]

Kosten einer Stichverletzung

Meist bleiben die ökonomischen Konsequenzen von Nadelstichverletzungen unberücksichtigt. Ein einzelner Stich oder Schnitt an scharfen medizinischen Instrumenten kann jedoch Kosten von durchschnittlich 480 Euro mit sich bringen – verursacht durch diagnostische Maßnahmen, notwendige Behandlungen und einen zu erwartenden Arbeitsausfall. Der Arbeitgeber hat 147 Euro selbst zu tragen. [7] Sofern auch die Verwaltungskosten einkalkuliert werden, erhöht sich die Schadensumme für die Einrichtung nochmals: Eine deutsche Studie ermittelte für das Krankenhaus Kosten in Höhe von 1.601 € pro gemeldeter Stichverletzung. Davon wurden nur 754 € von den Unfallversicherern erstattet. [8]

Andere internationale Studien kamen zu vergleichbaren Ergebnissen. So ermittelte eine Schweizer Autorin [9] Kosten von 356 Euro bis zu 3.465 Euro und eine amerikanische Forschergruppe [10] führte 630 Euro bis 785 Euro pro gemeldeter Nadelstichverletzung an (alle Beträge wurden auf den zum jeweiligen Veröffentlichungstermin geltenden Eurokurs umgerechnet).

 

[1] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zentralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

[2] Vorschlag für eine RICHTLINIE DES RATES zur Durchführung der von HOSPEEM und EGÖD geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor, KOM(2009)577 endgültig. 26.10.2009.

[3] Wicker S, Allwinn R, Gottschalk R, Rabenau HF: Häufigkeit von Nadelstichverletzungen in einem deutschen Universitätsklinikum: Ein Vergleich zweier unabhängiger Datenerhebungen. Zenralbl Arbeitsmed Arbeitssch Ergonomie 2007a; 57: 42-9.

[4] Trim JC, Elliot TS: A review of sharps injuries and preventative strategies. J Hosp Infect 2003; 53: 237-42. MEDLINE.

[5] Hofmann F, Wittmann A, Kralj N, Schroebler, Gasthaus K: Immunologischer und Sicherheitstechnischer Schutz vor HBV-, HCV- und HIV-Virusinfektionen. Anästh Intensivmed 2006; 47: 37-66.

[6] Hofmann F, Kralj N.: Technischer Infektionsschutz bei medizinischen Interventionen: Einsatz doppelter Handschuhe, ecomed MEDIZIN 2009: 85.

[7] Wittmann A.: Kosten von Nadelstichverletzungen und wirtschaftlicher Nutzen neuer Sicherheitsprodukte. Prakt. Arb. med. 2006; 5: 40-41.

[8] Wagner-Ferrer, D., Hartmann W.: Kostenanalyse einer Nadelstichverletzung, Anästh Intensivmed 2006; 47: 63-66.

[9] Graf-Deuel E.: Auswertung der Stichverletzungen am KSSG Jahre 2000, 2001 und 2002, Personalärztlicher Dienst. St. Gallen 2002.

[10] Jagger J., et al.: Direct Cost of Follow-up for Percutaneos and Mucocutaneous Exposures to At-Risk Body Fluids: Data From Two Hospitals. Virginia 1998.

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