Risiko "Kosten einer Stichverletzung"
Mit Nadelstichverletzungen sind jedoch auch andere Risiken als Infektionen verbunden. So kommen viele Untersuchungen zum Schluss, dass die durchschnittliche gemeldete Nadelstichverletzung Kosten von mindestens 480 € erzeugt, Kosten, die durch diagnostische Maßnahmen, durch Behandlungskosten aber auch durch den zu erwartenden Arbeitsausfall entstehen. Untersuchungen der Universität Wuppertal konnten auch zeigen, dass die durch NSV entstehenden Kosten nicht nur die gesetzliche Unfallversicherung betreffen, sondern dass auch der Arbeitgeber mit Kosten von rund 150 € pro gemeldeter Stichverletzung zu rechnen hat.
Auch nicht gemeldete NSV erzeugen Kosten - dadurch, dass ein Teil der Betroffenen im weiteren Verlauf an einer Infektion erkrankt. Auf Berechnungsmodellen der Hochschule Niederrhein und der Universität Wuppertal beruht die Annahme, dass jede nicht gemeldete Stichverletzung Kosten im Gesundheitssystem von rund 50 € erzeugt.
Andere internationale Studien kamen zu vergleichbar hohen Kosten, so ermittelte eine Schweizer Autorin[1] Kosten von 356 € bis zu 3.465 € und eine amerikanische Forschergruppe[2] kam auf 630 € bis 785 € pro gemeldeter Nadelstichverletzung (alle Beträge wurden auf den zum jeweiligen Veröffentlichungstermin geltenden Eurokurs umgerechnet). Mit einem Rechenmodell der Universität Wuppertal und der Hochschule Niederrhein konnten im Jahr 2007 auch die voraussichtlichen Kosten von nicht gemeldeten Kanülenstichverletzungen bestimmt werden.
Die (volkswirtschaftlich relevanten) Kosten einer ungemeldeten NSV liegen undiskontiert bei 79 €, diskontiert auf 30 Jahre bei rund 52 €, die vor allem den hohen Behandlungskosten chronisch gewordener Erkrankungen zugeschrieben werden können[3].
[1] Graf-Deuel E.: Auswertung der Stichverletzungen am KSSG Jahre 2000, 2001 und 2002, Personalärztlicher Dienst. St. Gallen 2002
[2] Jagger J., et al.: Direct Cost of Follow-up for Percutaneos amd Mucocutaneous Exposures to At-Risk Body Fluids: Data From Two Hospitals. Virginia 1998
[3] Wittmann A, Vrka Z, Neukirch B, Hofmann F. Gesamtwirtschaftliche Kosten durch Nadelstichverletzungen und möglicher Nutzen durch die Einführung Sicherer Instrumente (V 87), Beitrag auf der 47. Jahrestagung der DGAUM am 24.3.2007 in Mainz, zur Veröffentlichung angenommen

