Daumen

Verletzt: Was nun?

Grundsätzlich sind jede Nadelstichverletzung und jeder mögliche Blutkontakt sehr ernst zu nehmen. Bitte melden Sie daher jede Nadelstichverletzung Ihrem Arbeitgeber. Im Schadensfall sind Sie dann auch versichert.

Wichtig ist, schnell medizinische Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die Möglichkeit einer Postexpositionsprophylaxe zu prüfen. So kann der Ausbruch einer Erkrankung verhindert werden.

Im Allgemeinen kann – geordnet nach der zeitlichen Dringlichkeit – folgender Ablauf empfohlen werden:

  1. Es sind umgehend Lokalmaßnahmen durchzuführen, wie zum Beispiel das Ausblutenlassen der Wunde und die sofortige Desinfektion mit alkoholischem (70%) Haut- oder Händedesinfektionsmittel
  2. Anschließend ist die Verletzungsquelle zu recherchieren (Name, Geburtsdatum und Infektionsstatus des Patienten, bei dem das Instrument zuvor verwendet wurde). Das Ergebnis der Recherche sollte möglichst innerhalb von 1 bis 2 Stunden vorliegen. Ist die Verletzungsquelle infektiös (vor allem bei HIV) oder nicht eruierbar, ist eine umgehende Kontaktaufnahme mit dem in der PEP bzw. HIV-Therapie erfahrenen Mediziner erforderlich.
  3. Unfallmeldung und Dokumentation der Stich-/Schnittverletzung
    • Der Arbeitgeber muss ein Meldeverfahren für den Verletzungsfall festlegen und die Beschäftigten hierüber informieren.
    • Die Unfallmeldung sollte grundsätzlich an den Durchgangs-Arzt (D-Arzt) erfolgen. Es empfiehlt sich aber auch eine Meldung an den zuständigen Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit, da diese dazu beitragen können, mögliche organisatorische und technische Unfallursachen aufzudecken.
    • Individuelle Schuldzuweisungen sind stets zu vermeiden, fordert die Biostoffverordnung. Aus diesem Grund sollte ein standardisiertes Meldeverfahren etabliert werden, z. B. unter Einbeziehung des Betriebsarztes und / oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit.
    • Anschließend sollte eine Unfallanzeige an die BGW bzw. die zuständige Unfallkasse erfolgen (Vordruck der BGW bzw. der Unfallkasse)
    • Die Verletzung ist zudem im Betrieb zu dokumentieren, um eventuelle rechtliche Ansprüche zu wahren und Schwachstellen im System feststellen zu können.
  4. Nachsorge durch den Arbeitsmediziner oder den D-Arzt
    • In der Regel finden Nachuntersuchungen nach sechs Wochen, nach drei Monaten und nach sechs Monaten statt. Ist der Indexpatient mit Hepatitis C infiziert, sind kürzere Untersuchungsabstände erforderlich.

Wir empfehlen außerdem, hausinterne Verfahrensanweisungen – z. B. in Form von Flussdiagrammen – an gut einsehbaren Stellen auszuhängen. Diese geben einen raschen Überblick über die erforderlichen Abläufe. Zudem sollten sie auch Namen und Kontaktdaten der Personen enthalten, die im Verletzungsfall zu kontaktieren sind.

 

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